"Jede Rolle hat zwei Seiten,
eine persönliche und
eine kollektive Seite."
J. L. Moreno

Was ist eigentlich...

...Psychodrama?


In seinem ursprünglichen Sinn bedeutet Psychodrama, Verhaltensweisen in Szene zu setzen.

Damit ist das Wesentliche treffend bezeichnet. Es geht darum, in einem vereinbarten Setting Handlungen zu erproben, zu beobachten, zu vergleichen.

Besonders interessant ist es, die Wirkungen des eigenen Handelns aus der Perspektive der Gegenrolle zu erleben. Ziel psychodramatischer Arbeit ist die Überwindung des Verharrens in alten Mustern, die Fähigkeit zur Verhaltensvariabilität und die Erweiterung des eigenen Rollenrepertoires. Schließlich sollen nicht die Rollen den Menschen, sondern die Menschen ihre Rollen beherrschen und gestalten.

Die Anwendung des Verfahrens ermöglicht die Erkundung der Vergangenheit und Entwicklung von Lösungen für Gegenwart und Zukunft. Mit derselben lösungsorientierten Grundeinstellung fördert das Psychodrama persönliches Wachstum und eignet sich damit zur Gruppen-, Team- und Organisationsentwicklung.

Eine Vorstufe des Psychodramas ist das Rollenspiel, das in vielen Trainings- und Beratungssituationen heute bereits zum Standard gehört. Psychodrama als Verfahren geht allerdings noch einen Schritt weiter und ist sowohl psychodynamischem Denken, als auch dem Menschenbild der humanistischen Psychologie verpflichtet.

Es nimmt daher ebenso die inneren Motive, Antriebe und Konflikte, sowie die Beziehungskonstellationen des/der ProtagonistIn in den Blick und entwickelt von dort aus produktive Interaktionsformen und Zukunftsszenarien, die das kreative Handlungspotential erweitern. Die Möglichkeit von lebenslangen seelischen Wachstums und Veränderungsprozessen bildet die Grundlage des Verfahrens.

... Soziodrama?


Soziodrama ist eine Variante szenischen Arbeitens, bei der eine Gruppe gemeinsam und unter Anleitung eines entsprechend geschulten Regisseurs relevante Themen (vorwiegend aus dem Bereich der sozialen Kooperation)

  • mittels Psychodrama – Soziodrama –
  • Soziometrie
  • Psychodrama – Soziodrama –
  • Soziometrie improvisierter Rollenspiele exploriert.  

Ziel soziodramatischen Arbeitens ist es, die komplexe Dynamik sozialer, politischer und/oder gesellschaftlicher Zusammenhänge mit ihren unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen verstehen zu können und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Im Rahmen von Trainingsmaßnahmen kann soziodramatisches Arbeiten zur Schulung aller Arten von sozialer Kompetenz genutzt werden, sowie zur Entwicklung systemischer Betrachtungsweisen beitragen.

... Soziometrie?


Soziometrie ist ein Verfahren, das die Beziehungen zwischen Personen, Gruppen oder Teams empirisch erfasst.  Diese Strukturen können grafisch und statistisch in einem Soziogramm abgebildet, bzw. auf der Psychodramabühne in Handlung sichtbar und bearbeitbar gemacht werden. So werden z. B. bisher unerkannte Differenzen zwischen offiziellen und inoffiziellen Gruppenstrukturen sichtbar. Soziometrie wird primär zur Diagnostik und Einleitung von Veränderungsprozessen eingesetzt.

...und wer hat es erfunden?

Jakob Levy Moreno (1889 -1974 Bukarest, Wien und New York) war Arzt, Psychiater und Soziologe. Er beschäftigte sich mit sozialen Randgruppen und leitete aus seinen Aktionsforschungen die Idee des Psychodramas ab:

„Ziel des Psychodramas ist die Aktivierung und Integration von Spontaneität und Kreativität. Konstruktives spontanes Handeln ist zustande gekommen, wenn der Protagonist für eine neue oder bereits bekannte Situation eine neue und angemessene Reaktion findet.“ – Moreno, (1959)

In seiner kleinen psychiatrischen Klinik in Beacon (N.Y.) arbeitete Moreno viele Jahre mit dem Verfahren Psychodrama und entwickelte es stets weiter. Von dort aus wurde es in die ganze Welt getragen. Nach Deutschland brachten dieses Verfahren u.a. Prof. Heika Straub und Dr. Gretel Leutz, die Gründerinnen der Moreno Institute Stuttgart bzw. Edenkoben/Überlingen.

Opens external link in new windowEin kurzer Film zur Inspiration