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Psychodrama

Psychodrama, ein Wort, das die Erwartungen leicht in die falsche Richtung lenken kann, wird es doch auch als Bezeichnung für Spielfilme verwendet, in denen seelische Konflikte die Handlung bestimmen. Als der Begriff in den zwanziger Jahren geschaffen wurde, hatte er jedoch viel mehr mit seinem eigentlichen Wortsinn zu tun. Psychologie befasst sich wissenschaftlich mit den Formen und Gesetzmässigkeiten des menschlichen Verhaltens und Er-
lebens. Drama ist der Oberbegriff aller szenischen Handlungen.

Psychodrama bedeutet in seinem ursprünglichen Sinn: Verhaltensweisen in Szene setzen. Damit ist das Wesentliche treffend bezeichnet. Es geht darum, in einem vereinbarten Setting Handlungen zu erproben, zu beobachten, zu vergleichen und vor allem in ihrer Wirkung - aus der eigenen wie der Gegenrolle - zu erleben.

Das uns als Kindern durchaus vertraut. Wir konnten alles sein, Vater, Mutter, Arzt, Lehrerin, Polizist ... Im Spiel konnten wir uns mit Situationen auseinandersetzen über die zu reden uns schwergefallen wäre. Erwach-
senwerden bringt mit sich, dass wir die Fähigkeit zu spielen weitgehend verlernen und sie gesellschaftlich den Künstlern überlassen. Damit einher geht notgedrungen eine Einengung an Verhaltensmöglichkeiten, ein Verlust eigener kreativer Potentiale, ein Verlust an Vorstellungsvermögen und Gestaltungskraft.

Ausgehend von den Beobachtungen bei Kindern anerkennt das Psycho-
drama, dass Rollenspiele geeignet sind, Konfliktsituationen zu bearbeiten und dass im spielerischen Handeln sogar neue Strategien zur Konflikt-
bewältigung erfunden / erarbeitet werden können. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Spiele es erlauben, das verfügbare Rollenrepertoire zu erweitern und Verhaltensweisen zu erproben, die ohne Spielform nicht zur Verfügung stünden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Verfahren Psychodrama auf der Systematisierung dieser Beobachtungen und der zusätzlichen Entwick-
lung zielgerichteter Interventionstechniken beruht.

Von Anfang an wurde es in zwei unterschiedlichen Formen angewandt. Ein-
mal psycho- und soziotherapeutisch als eine Methode, die zwar auch die Vergangenheit exploriert, aber vor allem im Hier und Jetzt Lösungen für die Gegenwart und Zukunft entwickelt. Zum andern mit derselben lösungsorien-
tierten Grundeinstellung zum persönlichen Wachstum und zur Gruppen-, Team- und Organisationsentwicklung.

Heute ist es längst Standard, Rollenspiel in Trainings- und Beratungs-
situationen einzusetzen, weil die Erfahrungen zeigen, dass handeln und erleben zu nachhaltigeren Ergebnissen führt, als nur reden. Solche sozialen Rollenspiele sind jedoch bestenfalls Vorstufen, denn beim Psychodrama handelt es sich um ein Verfahren mit ausgearbeiteten Techniken zur Untersuchung von Beziehungskonstellationen in und zwischen Gruppen (u.a. soziometrische Methoden und Soziodrama), zur Entwicklung produktiver Interaktionsformen (Zukunftprojektionen, -szenarien) und vor allem zur Erweiterung kreativer Fähigkeiten (u.a. aus dem Stegreif, Surplus-Realität).

Ziel psychodramatischer Arbeit ist die Überwindung des Ausgeliefertseins an alte Muster, die Fähigkeit zur Verhaltensvariabiliät, die Beweglichkeit im Meistern des Moments. Schliesslich sollen nicht die Rollen uns, sondern wir die Rollen beherrschen. Das Verfahren Psychodrama bietet - vor allem - durch das Probehandeln die Möglichkeit, die Folgen eigenen Tuns abzu-
schätzen, ideale Voraussetzungen, um in allen Bereichen von Coaching und Organisationsentwicklung dauerhaft positive Ergebnisse zu erzielen.


Literaturhinweis:
- Ameln, F.v. / Gerstmann, R. / Kramer, J. 2004:
Lehrbuch Psychodrama. Wien: Springer
- Bosselmann, Rainer / Gellert, Manfred / Lüffel-Leohardt, Eva (Hrsg.) 1996:
Variationen des Psychodramas. Ein Praxisbuch - nicht nur für Psychodramatiker. Meezen: Christa Limmer
- Buer, Ferdinand 1989:
Morenos therapeutische Philosophie. Opladen: Leske + Buderich
- Hutter, Christoph 2000:
Psychodrama als experimentelle Theologie (Diss.). Münster: LIT-Verlag TuP7
- Leutz, G.A. 1974:
Psychodrama - Theorie und Praxis. Bd. 1 *. Berlin: Springer