"Jede Rolle hat zwei Seiten,
eine persönliche und
eine kollektive Seite."
J. L. Moreno

Die beeindruckende Kreativität von Kindern, in einer leidvollen Situation im Symbolspiel das Lustvolle herauszuholen und sich als aktiv gestaltendes, schöpferisches Wesen zu erleben, faszinierte Moreno, als er vor dem 1. Weltkrieg als junger Mediziner auf seinen Spaziergängen in den öffentlichen Gärten Wiens Kinder beobachte und mit ihnen spielte.
Obwohl Moreno wesentliche Anregungen für die Entwicklung des Psychodramas aus dem kindlichen Spiel gewonnen und in seiner frühen Schaffensperiode mit Kindern gearbeitet hat, entwickelte er das Psychodrama als Therapieverfahren nur für Erwachsene. Da aber Kinder eine spezifische Darstellungs- und Verarbeitungsweise haben und deshalb auch eine eigene Methode benötigen, haben Aichinger und Holl das Psychodrama für Kinder abgewandelt.
Die wesentlichen Veränderungen unseres Ansatzes, den wir in über 40 Jahren erprobt und weiterentwickelt haben, sind:
1. Im Unterschied zu Erwachsenen reinszenieren und bearbeiten Kinder ihre Konfliktsituationen, ohne sich mit den in den Szenen verbundenen Gefühlen wie Ohnmacht und Trauer erneut auszusetzen. Im Symbolspiel, dem »Königsweg« der Kinder und zu den Kindern, stellen Kinder ihre innere Wirklichkeit dar, eignen sie an und gestalten sie um. Daher wird in der Weiterbildung das Verständnis für die Symbolspiele gefördert.
2. Nimmt man diese ureigene Sprache der Kinder ernst, ist auch eine andere Form der Leitung verlangt. Im Unterschied zur Erwachsenentherapie spielen in der Kindertherapie die Therapeuten mit, wobei sie sich die Rollen von den Kindern übertragen lassen und aus therapeutischen Überlegungen heraus auch andere Rollen einnehmen. Neben strukturierenden Interventionen aus der Leiterebene werden die Psychodrama-Techniken der Erwachsenentherapie abgewandelt in den Rollen, die die Therapeuten im Symbolspiel einnehmen, getätigt. Daher wird in der Weiterbildung geübt, wie über das Mitspielen der Therapeuten therapeutische Prozesse unterstützt und über störungsübergreifende und störungsspezifische Interventionen die Weiterentwicklung gefördert werden kann.
Obwohl die Gruppe der Gleichaltrigen für die Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung ist, werden die heilenden und prophylaktischen Kräfte der Gruppe in der therapeutischen Arbeit mit Kindern immer noch wenig genutzt. Da wir eine systematische Methode der Gruppentherapie mit Kindern entwickelt haben, wird die therapeutische Arbeit mit Kindergruppen neben der Einzeltherapie ein Schwerpunkt der Weiterbildung sein.
3. Um dem Kind und der Familie in ihrer Vielschichtigkeit gerechter zu werden, arbeiten wir mit dem Konzept der Teilearbeit. Moreno ging schon in den 30er Jahren von einem pluralistischen Selbstkonzept aus, wonach das Selbst eine Vielzahl unterschiedlicher und zum Teil widersprüchlicher und sich bekämpfender Anteile enthält. Unseren psychodramatischen Teilearbeit-Ansatz in der Einzeltherapie, in der Familientherapie und in der Arbeit mit Kindern in der Trennungs- und Scheidungssituation wird in der Weiterbildung vermittelt.
4. Für Moreno sind psychische Störungen in erster Linie Beziehungsstörungen und immer im Umweltkontext zu sehen. Deshalb muss die Therapie mit Kindern multi-systemisch und kontextorientiert sein. In der Weiterbildung zeigen wir die von uns entwickelte psychodramatische Familienspieltherapie und Teilearbeit mit Familien.

Ziele:
- Sie werden befähigt, das Symbolspiel der Kinder zu verstehen, und vertiefen so ihre diagnostische Kompetenz
- Sie erfahren sich selbst in der Kinder- und Leiterrolle und stärken Ihre persönliche Kompetenz
- Sie erweitern Ihr Interventionsverhalten und Ihre Handlungs-/Veränderungskompetenz
- Sie evaluieren mit der Gruppe Therapieprozesse und erwerben Auswertungskompetenz

Fortbildungsinhalte:
In den ersten 5 Seminaren führen wir in die Grundlagen der kinderpsychodramatischen Einzel- und Gruppentherapie ein. In den nächsten 4 Seminaren zeigen wir, wie über störungsübergreifende Interventionen die vier psychischen Grundbedürfnisse nach Selbstwirksamkeit, Selbstwerterhöhung, Bindung und gelingende Beziehungen und Lust befriedigt werden können. Dann werden in vier weiteren Seminaren störungsspezifische Interventionen bei ausgewählten Störungsbildern(aggressive Störungen, Traumaentwicklungsstörungen, Angststörungen, psychische Störungen nach Trennung/Scheidung) behandelt. Zum Schluss werden in zwei Seminaren die Teilearbeit mit Familien und die Familienspieltherapie erarbeitet.
Der Kurs wird berufsbegleitend durchgeführt und umfasst 15 Wochenendseminare zu je drei Tagen.

1. Einführung in die Grundlagen der Einzel- und Gruppentherapie
1. Seminar: Die Bedeutung des Spiels in der Kindheit zur Bewältigung wichtiger Entwicklungsaufgaben
Zugang zum spielfreudigen Kind finden (Selbsterfahrung)
• wann habe ich im Symbolspiel mit anderen Kindern Stärkung der Be-ziehungen und Lust erfahren
• wann habe ich in Fantasien oder Spiel Stärkung von Selbstwert und Selbstwirksamkeit erlebt
• Unterschied Kinderpsychodrama und Erwachsenenpsychodrama

2. Seminar: Einführung in die psychodramatische Teilearbeit
• Die Befriedigung der vier Grundbedürfnisse als zugrunde liegendes Modell
• Ablauf der Symbolaufstellung mit Tierfiguren
• Erarbeitung der Indikationsstellung für Einzel-, Gruppen- und Familientherapie und Kontrakt
3. Seminar: Teilearbeit in der Einzeltherapie
• Einführung in das Symbolspiel mit Tierfiguren
• Mentalisierung der Anteile
• Die Annäherung der einzelnen Teile im Spiel – „Auf dem Weg, Freunde zu werden.“
4. Seminar: Die Anfangsphase in der Kindergruppe als Kind erleben
• Altersspezifische Geschichten für den Beginn einer Gruppe
• Die Bedeutung der Rollenwahl und den Schutz der Rolle als Kind erleben
5. Seminar: Eine Kindergruppe in der Anfangsphase
• Die Struktur einer Psychodramasitzung
• Die Initialphase mit Themenfindung, Rollenwahl und -Übertragung und Einrichtung der Szenerie
• Die Spielphase mit der doppelten Aufgabe der Leiter: Mitspielen in den von den Kindern übertragenen Rollen und in selbstgewählten Rollen und Strukturierung in der Leiterrolle.
• Die Abschlussphase

2. Teil: Die Befriedigung der vier Grundbedürfnisse als Weg und Ziel der Therapie
6. Seminar: Das Grundbedürfnis nach gelingenden Beziehungen
• Gruppenkohäsion stärken – Intervention Außenfeind und stützender Doppelgänger
• Übertragung auf das Einzelsetting: Kooperation der einzelnen Teile stärken
7. Seminar: Das Grundbedürfnis nach Selbstwerterhöhung
• Hintergründe und Bedeutung für die Entwicklung
• Stärkung des Selbstwerts durch bewunderndes Spiegeln und Bewunderungsszenen. (Figuren- und Rollenspiel)
• Zwischenbilanz der Ausbildung
8. Seminar: Das Grundbedürfnis nach Selbstwirksamkeit
• Hintergründe und Bedeutung für die Entwicklung
• Stärkung der Selbstwirksamkeit durch Szenenaufbau, stützendes
• Doppeln, bewunderndes Spiegeln im Einzel- und Gruppensetting
9. Seminar: Das Grundbedürfnis nach sicherer Bindung
• Die unterschiedlichen Bindungsmuster und ihre Bedeutung
• Bindungsstörungen und spezifische Interventionen in der Einzel- und Gruppentherapie

3. Teil: Störungsspezifische Interventionen in der Einzel- und Gruppentherapie
10. Seminar: Aggressive Störungen
• Theoretische Aspekte
• Teilearbeit- Diagnostik, Arbeitskontrakt
• Interventionen – Mentalisierungsfokussiertes Spiegeln, Szenenaufbau
• Bewältigung einüben
• Bedeutung der Leiterrolle
11. Seminar: Traumafolgestörungen
• Mentalisieren der Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit
• Aufbau eines guten inneren Objektes
• Aufbau von Fürsorge für den Opferteil
12. Seminar: Angststörungen
• Theoretische Aspekte
• Teilearbeit- Diagnostik, Arbeitskontrakt
• Annäherungsverhalten und Bewältigungsstrategien anbahnen
• Interventionen, um Selbstwirksamkeit zu stärken
13. Seminar: Trennung-und Scheidung
• Konzept der Teilearbeit im Kontext der Trennung und Scheidung

4. Teil: Arbeit mit Familien
14. Seminar: Teilearbeit mit Familien
• Symbolaufstellung mit Familien und Kontrakt
• Figurenspiel mit einem Teilsystem oder der ganzen Familie
15. Seminar: Mit Familien spielen
• Rollenspiel mit der ganzen Familie
• Die Abschlussphase in der Gruppentherapie



In jedem Seminar gibt es eine theoretische Einführung ins Thema, Demonstrationen der Leiter an Hand von Fallbeispielen, Kleingruppenarbeit mit Reflexion der eigenen Anteile. Am Sonntag wird eine Supervisionseinheit angeboten, in der die TeilnehmerInnen Fragestellungen aus ihrer Arbeit einbringen können. Außerdem werden die Methoden sowohl im Gruppen- als auch im Einzelsetting erlernt.

Literatur:
Aichinger,A. (2019). Die Aufstellungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen: Symbolaufstellung und Teilearbeit. In Stadler,C. und Kress,B. (Ed.) Praxishandbuch Aufstellungsarbeit.Springer
Aichinger, A. (2012). Einzel- und Familientherapie mit Kindern. Kinderpsychodrama
Band 3. Wiesbaden: Springer VS.
Aichinger, A. (2011). Resilienzförderung mit Kindern. Kinderpsychodrama Band 2. Wiesbaden: VS.
Aichinger, A., & Holl, W. (2010, 2. Auflage). Psychodrama - Gruppentherapie mit Kindern. Kinderpsychodrama Band 1. Wiesbaden: VS.
Reisinger, R. (2017). „So schwer wie die ganze Welt“. Kinderpsychodrama mit einem 7-jährigen Mädchen aus einer hochkonflikthaften Scheidungsfamilie. ZPS1/2017, 61-74



Kosten

4050,00 €


Zeitraum

Fr. 13.09.2019 - So. 13.12.2020, 15:00 - 12:00 Uhr


Kursort


Dozent/in

Datum Zeit Straße Ort
Fr. 13.09.2019 15:00 - 19:00 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
Sa. 14.09.2019 09:00 - 18:30 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
So. 15.09.2019 09:00 - 12:00 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
Fr. 18.10.2019 15:00 - 19:00 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
Sa. 19.10.2019 09:00 - 18:30 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
So. 20.10.2019 09:00 - 12:00 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
Fr. 15.11.2019 15:00 - 19:00 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
Sa. 16.11.2019 09:00 - 18:30 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
So. 17.11.2019 09:00 - 12:00 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
Fr. 13.12.2019 15:00 - 19:00 Uhr Spielmannsgasse 6 Spielzimmer, Ulm
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